Der Korb

KI-bearbeitetes Bild
  • Oder: Warum man hübsche Dinge nicht unterschätzen sollte.

    Seit zwei Jahren steht ein Korb am Kopfende meiner Picknickdecke.
    Nicht nur an der Côte d’Azur. Auch im Freibad in Linz.

    Und jedes Mal denke ich an den Moment zurück, in dem ich beschlossen habe, dass unsere Sportrucksäcke verschwinden müssen.

    Gerade angekommen, marschierten wir mit Richtung Strand. Wir trugen gute Rucksäcke. Schwarz. Ergonomisch. Mehrere Fächer. Gepolsterte Träger. Seeehr praktisch. Warum sollte man sie nicht verwenden? Schließlich hat man sie.

    Und dann waren wir am Strand. Rund um uns lagen Handtücher im Sand. Schöne Körbe. Schlichte Canvas-Taschen. Kleine Sonnenschirme. Menschen, die aussahen, als hätten sie sich keine großen Gedanken gemacht – obwohl sie das vermutlich sehr wohl getan hatten.
    Und in einem kurzen Moment war mir klar: Unsere Rucksäcke sind hier Fremdkörper.

    Nicht, weil uns jemand komisch angesehen oder gar angesprochen hätte – alle viel zu entspannt dazu ;-) – aber weil sie einfach zu kompakt, klobig, geradezu klumpig, wirkten.

    Noch am gleichen Tag kaufte ich einen Korb und hielt das zunächst für eine rein ästhetische Entscheidung.
    Aber: Während sich der feine Sand hartnäckig in Nähten und Reißverschlüssen des schwarzen Rucksacks sammelte und noch Wochen später irgendwo in der Wohnung wieder auftauchte, genügte beim Korb eine kleine Bewegung. Was nicht sowieso durchs Geflecht rieselte, ließ sich mit einem kurzen Schütteln verabschieden.

    Der Rucksack war nicht praktischer. Er war nur gewohnt und halt „schon da“.

    Und jetzt steht der Korb immer am Kopfende der beigen Picknick-Decke. Als hätte er dort schon immer hingehört. Gerollte Handtücher, stehend darin verstaut. Sonnencreme, Wasser, Buch.

    Nicht, weil ich dort Côte d’Azur spielen möchte. (Obwohl … ein bisschen vielleicht.)
    Ein Korb macht aus dem Freibad keine Côte d’Azur. Aber er macht aus mir eine entspanntere Badegästin.