
Oder: Warum Gleichklang manchmal das Gegenteil von Stil ist.
Neulich stand ich am Bahnhof. Zwei Damen gingen an mir vorbei – Anfang fünfzig vielleicht, wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten befreundet.
Sie fielen auf. Nicht schrill – aber sie lenkten die Blicke auf sich. Die eine in Altrosa, die andere in warmem Gelb – ein perfektes Duo (vielleicht zu perfekt?).
Steppjacke (ultraleicht, Daune, wahrscheinlich italienisches Label, das vor zehn, fünfzehn Jahren in jedem Reisegepäck zu finden war), farbige Stretch-Jeans, Metallic-Sneakers.
Ich muss gestehen – es war für mich ein „cringe“-Moment.
Nicht, weil die Kleidung „falsch“ war. Sondern weil sie zu perfekt abgestimmt war. Zwei Menschen, zwei Leben, aber ein einziger Look. Oh, bless.
Ich mag keine Schaufensterlooks. Zu synchron, zu „gewollt“. Ein toller Look entsteht für mich nicht durch Gleichklang – sondern durch Eigenklang.
Ich dachte an diese Fernsehsendungen, in denen Frauen diesen Alters (also circa meines, lol) Blumenarrangements für jede Jahreszeit machen: mit Hingabe, Struktur, farblich durchwegs harmonisch. Kreativ, ja – aber eigentlich innerhalb sehr enger Grenzen.
Die beiden am Bahnhof waren genau das: sorgfältig arrangiert, farblich abgestimmt, ordentlich.
Monochrome Looks können auf dem Laufsteg spektakulär wirken. Nur: Dort tragen sie Haltung, nicht bloß perfekte Abstimmung.
Vielleicht ist genau das der Unterschied.
Ein großartiges Outfit ist kein Kostüm. Es ist Bewusstsein. Ein dezentes „Das stimmt für mich so“.
Alles andere ist – im schlimmsten Fall – Fremdbestimmung.
Man denke nur an jene Marken, die behaupten, zeitlos zu sein – und damit meinen, dass ihnen seit 1997 nichts Neues eingefallen ist. Im besten Fall ist es Kompromiss: nett, angepasst, ordentlich.
Aber Stil?
Der beginnt, wenn wir aufhören, uns hinter Praktikabilität zu verstecken –
und stattdessen den Mut haben, ein wenig Couture in unseren Alltag zu lassen.
Now, that’s brancisc.
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